Google schickt Reader in Rente – Der Todesstoß für RSS?

Die Technologie RSS hat es nicht geschafft, in der Breite der Netzgemeinde anzukommen. Jetzt stellt  Google seinen RSS-Reader ein. Der Todesstoß für RSS?

Foto: Annarki | iStockphoto | Thinkstock

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Es war eine Nachricht, die für viel Unmut im Netz sorgte. Google stellt – neben einer Reihe anderer Produkte – den Reader ein.3 Dieses Tool ermöglichte das Abonnieren von Webseiten mittels sogenannter RSS-Feeds. Statt als ständig seine Lieblingswebseiten zu besuchen, um zu schauen, ob es etwas Neues gibt, informierte der Reader über neue Artikel. Ein Segen für unregelmäßig aktualisierte Webseiten. Vor allem Blogger und Journalisten haben den Reader als Werkzeug für den täglichen Rechercheeinsatz lieben gelernt.

Gegen die Einstellung des Google Readers gibt es inzwischen eine Petition, die bereits mehr als 125.000 Menschen gezeichnet haben.1 Die meisten Nutzer allerdings üben sich in Pragmatismus und wechseln zu Konkurrenzanbietern. So konnte beispielsweise allein Feedly am Wochenende nach der Google-Mitteilung eine halbe Million neuer Nutzer gewinnen.2

Google verabschiedet sich mit dem Reader offenbar vollständig von der RSS-Technologie. Auch eine Erweiterung für den Chrome Browser, die das einfach Abonnieren per Klick ermöglichte, wurde inzwischen aus dem Chrome Web Store entfernt.

Stirbt RSS?

Die Frage, ob damit das endgültige Ende von RSS vor der Tür steht, ist nicht einfach zu beantworten. Die Einstellung des Readers wird den Markt zunächst beleben. So hat bspw. auch Digg angekündigt, an einer Alternative zu arbeiten.4 Es bleibt zu hoffen, dass mit neuen Anbietern auch die Innovation in den Markt zurückkehrt. RSS war bislang so schlecht in die Browser integriert, dass Nutzer jenseits der Techszene kaum den Zugang dazu gefunden haben.

Auch Firefox hat das RSS-Icon schon vor einiger Zeit aus dem Browser entfernt.5 Es muss über ein Plugin nachgerüstet werden. Wenn es bspw. Feedly gelingt, RSS auch für den Otto-Normaluser verständlich zu erklären und nutzbar zu machen, hat diese Technologie eine Chance. Ansonsten ist sie wohl eher dem Untergang geweiht.

Google und Facebook werden jedenfalls die eigenen Social Networks als Alternative zu RSS-Abonnements positionieren, so dass von dort keine Unterstützung mehr zu erwarten ist. Für Webseitenbetreiber ist das eher unbefriedigend. Geben sie doch die Kontrolle über die eigene Stammuserschaft an Dritte ab.


[1] Petition gegen die Einstellung des Google Readers
[2] Caschy – Feedly: 500.000 neue Benutzer und wöchentlich neue Funktionen
[3] Golem – Google Reader wird komplett eingestellt
[4] t3n – Digg will Google-Reader-Klon entwickeln
[5] fixmbr – Firefox 4.0 und das (fehlende) RSS-Icon in der Adresszeile

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Langschläferin, Kaffeesüchtige, Bücherwurm –
Ich wohne im wunderschönen Potsdam und schreibe über Politik, Gesellschaft und Menschen.

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